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Thema: "Ende dieses Jahres" oder "Ende diesen Jahres"?

  1. #1
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    15.01.2011
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    1

    Standard "Ende dieses Jahres" oder "Ende diesen Jahres"?

    Hallo!

    Beim Aktualisieren unserer Firmen-Homepage hab ich an einer Stelle "Ende diesen Jahres" geschrieben, aber meine Chefin meinte, es müsste "Ende dieses Jahres" heißen. Ich hab da noch nie drüber nachgedacht und finde ehrlich gesagt beides gleich richtig. Oder ist wirklich nur "dieses Jahres" richtig?

    Vielen Dank im Voraus und viele Grüße!

    Nicki

  2. #2

    Standard Heißt es "Ende dieses Jahres" oder "Ende diesen Jahres"?

    Sprachsystem

    Bei der Frage, ob es Ende dieses Jahres oder Ende diesen Jahres heißt, scheint es darum zu gehen, ob das Demonstrativpronomen dies- in der Position, die es innerhalb der Wortgruppe einnimmt, stark oder schwach flektiert (gebeugt) wird. Die Wortgruppe besteht in diesem Fall aus einem artikellosen Substantiv (Ende), das um ein Attribut (Beifügung) im Genitiv erweitert ist (dieses Jahres bzw. diesen Jahres).

    Schaut man sich das Muster eines schwach flektierten Wortes an (im Deutschen sind das z.B. viele Substantive mit Genus Maskulinum, die etwas Belebtes bezeichnen), so fällt auf, dass in allen Kasus außer dem Nominativ Singular die Endung –en auftritt:

    SingularPlural
    Nominativ(der) Bär(die) Bären
    Genitiv(des) Bären(der) Bären
    Dativ(dem) Bären(den) Bären
    Akkusativ(den) Bären(die) Bären

    Die schwache Endung –en ist daher alles andere als eindeutig, wenn es darum geht, den Kasus eines Wortes kenntlich zu machen. Als hilfreich erweist sich hier der Artikel der, der mit seinen starken Flexionsendungen jeweils zur Verdeutlichung des Kasus beiträgt.

    Ebenso wie der Artikel der trägt auch das Demonstrativpronomen dies- die starke Flexionsendung:

    Maskulinum (Singular)Neutrum (Singular)
    Nominativdieser Monatdieses Jahr
    Genitivdieses Monatsdieses Jahres
    Dativdiesem Monatdiesem Jahr
    Akkusativdiesen Monatdieses Jahr

    Das entsprechende Genitivattribut zu Ende müsste demzufolge dieses Jahres lauten.

    In ähnlichen Zeitangaben steht anstelle des Demonstrativpronomens dies- ein Adjektiv, z.B. Ende nächsten Jahres. Obwohl Adjektive prinzipiell sowohl schwach als auch stark flektiert werden können (welche Art der Flexion zu wählen ist, hängt von der Umgebung des Adjektivs ab, z.B. davon, ob ihm ein Artikel mit deutlicher Flexionsendung vorausgeht), macht das für Ihren Fall keinen Unterschied, denn im Genitiv sehen beide Formen gleich aus:

    starke Adjektivflexionschwache Adjektivflexion
    Nominativnächstes Jahr(das) nächste Jahr
    Genitivnächsten Jahres(des) nächsten Jahres
    Dativnächstem Jahr(dem) nächsten Jahr
    Akkusativnächstes Jahr(das) nächste Jahr

    Die Tatsache, dass in solchen Zeitangaben das Adjektiv immer die Endung –en trägt, kann einen Einfluss auf die Zeitangaben mit dies- gehabt haben, d.h. man könnte analog zu Ende nächsten Jahres auch Ende diesen Jahres bilden. Da dies- dann wie ein Adjektiv flektiert wird, spricht man von einer adjektivischen Flexionsvariante des Demonstrativpronomens.
     


    Sprachgeschichte

    Möglicherweise steht dies- gerade am Anfang einer Entwicklung, wie sie solch- bereits seit Langem durchläuft. Zu dem ursprünglichen Demonstrativpronomen solch- hat sich nämlich ebenfalls in Laufe der Zeit eine adjektivische Variante hinzu entwickelt, die inzwischen sogar dominiert. Ob dies- diese Entwicklung auch so weitgehend durchlaufen wird, ist jedoch unwahrscheinlich, da es einige adjektivtypische Verhaltensweisen vermutlich nicht nachahmen wird, wie es solch- tut, z.B. die Positionierung zwischen Artikel und Substantiv:

    (1) eines solchen Jahres
    (2) *eines diesen Jahres

    Zudem lassen sich am Zweifelsfall Ende dieses/diesen Jahres zwei grundsätzliche Sprachwandelphänomene ablesen. Zum einen kann man die Form diesen in diesem Zusammenhang als Versuch einer Vereinheitlichung der starken Flexionsmuster betrachten, d.h. das starke Flexionsmuster des Demonstrativpronomens wird an das starke Flexionsmuster des Adjektivs angeglichen. Statt eines starken Flexionsmusters für Demonstrativpronomen (Ende dieses Jahres) und eines starken Flexionsmusters für Adjektive (Ende nächsten Jahres) gäbe es folglich nur noch ein einheitliches starkes Muster (Ende diesen/nächsten Jahres), was aus kognitiver Sicht ökonomischer wäre.

    Zum anderen gibt es eine Tendenz dahingehend, das deutliche Kasusmerkmal innerhalb einer Wortgruppe nur noch an einem Wort (dem Hauptmerkmalsträger) anzubringen. Folgt man dieser Tendenz zur Monoflexion, so ist es nicht mehr nötig, das Demonstrativpronomen dies- mit der Genitivendung –es zu versehen, wenn diese bereits am dazugehörigen Substantiv vorhanden ist. Das bedeutet: Da Jahres mit der Endung –es bereits über eine deutliche Genitivmarkierung verfügt, kann sich dies- auch mit der weniger deutlichen Endung –en begnügen.
     


    Sprachvariation

    In der deutschen Standardsprache, die z.B. in der überregionalen Presse Anwendung findet, gilt nach wie vor die althergebrachte Variante Ende dieses Jahres als korrekt, während sich in der Umgangssprache auch die Variante Ende diesen Jahres findet. Dokumentiert ist dieses Phänomen heutzutage vor allem im Internet, z.B. in Forumsbeiträgen sowie auf privaten oder kleineren geschäftlichen Websites:

    Beispiel

    „Nachdem schon im Juni das erste Buch über Bud Spencer erschienen ist, wird es ende diesen Jahres noch ein weiteres geben.“

    „Im Dezember 2010 läuft das Modell zur Prob[e]zeitverkürzung nun auch in Berlin aus. Aus diesem Grunde bieten wir euch Ende diesen Jahres noch einmal die Möglichkeit, einen Kurs zur Probezeitverkürzung zu absolvieren.“


    Besonders naheliegend scheint die Verwendung von Ende diesen Jahres, wenn in der näheren Umgebung noch eine Zeitangabe mit Adjektiv vorliegt:

    Beispiel

    „Zudem kann es sein, dass es günstiger wird als das 4G, weil Microsoft Ende diesen Jahres/ anfang nächsten Jahres eine neue Handysoftware auf den Markt bringt, welche anscheinend hoch gehandelt wird!“ (Internetbeleg)
     


    Sprachgebrauch

    Im standardsprachlichen Bereich liegt die Variante Ende dieses Jahres noch immer weit vorn: Im Zeitungskorpus des IDS Mannheim macht sie 96 % aus, während Ende diesen Jahres mit nur 4 % der tatsächlichen Verwendungen weit abgeschlagen ist.

    Zieht man für die Untersuchung jedoch kein standardsprachliches Korpus heran, sondern gibt die betreffenden Varianten einmal bei Google ein, so ergibt sich ein anderes Bild: Hier macht die Variante Ende diesen Jahres immerhin 16 % von der Gesamtsumme aus (Stand: 23.01.2011). Sucht man nur nach den Wortgruppen dieses Jahres und diesen Jahres, so kehren sich die Verhältnisse sogar gänzlich um: Hier ist diesen Jahres mit 74 % weit überlegen! Allerdings sind die Daten, die eine solche Suche bei Google liefert, oftmals verzerrt: Neben den "echten" Funden, die den tatsächlichen Sprachgebrauch anzeigen, listet Google meist auch Forumsbeiträge u.Ä. auf, die sich mit dem sprachlichen Zweifelsfall befassen. Letztere müssten bei einer wissenschaftlichen Korpusanalyse eigentlich ausgeschlossen werden, was jedoch bei mehreren Tausend oder Millionen Funden schwer zu bewerkstelligen ist. Dennoch lassen die oben angegebenen Zahlen eine gewisse Tendenz erkennen.
     


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    Geändert von Melanie Löber (17.02.2011 um 21:35 Uhr)

  3. #3
    sprachlosinDeutschland Gast

    Standard Aus diesem Sprachwandel ziehe ich ...

    ... folgendes Fazit ...

    Künftig heißt es dann auch: Im Keller diesen Hauses. Im Kofferraum diesen Autos. Im Impressum diesen Buchs.

    Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Allein schon der Umstand, dass der Duden diese Grammatik mittlerweile toleriert (vielleicht nennt sich das Druckwerk künftig "Dulden"), ist bezeichnend für den desolaten Trend in unserer Sprach"kultur".

    Am Ende bleibt die Dankbarkeit darüber, dass sich im Gegensatz hierzu Naturwissenschaften niemals werden so grausam zerpflücken lassen.

  4. #4
    Unregistriert Gast

    Standard ende dieses Jahres

    Beispiele wie: Im Keller diesen Hauses. Im Kofferraum diesen Autos. Im Impressum diesen Buchs.
    Es fällt aber doch auf, dass das Substantiv jeweils Neutrum ist.
    Das klingt nicht wohltemperiert.
    Aber z.B.
    Ende diesen Monats, das geht mir gut runter. Obwohl meine Germanistikschwester schreibt : das sei falsch

  5. #5
    Unregistriert Gast

    Standard

    Zitat Zitat von Unregistriert Beitrag anzeigen
    Ende diesen Monats, das geht mir gut runter. Obwohl meine Germanistikschwester schreibt : das sei falsch
    Warum denn jetzt der Konjunktiv? Mit einem Doppelpunkt wird die direkte Rede eingeleitet. Also sagt deine Schwester: "Das ist falsch". Oder aber deine Schwester sagt, dass es falsch sei. Entweder oder...

  6. #6
    Registriert seit
    03.07.2014
    Ort
    Gießen
    Beiträge
    228

    Standard Redewiedergabe im Deutschen

    Sprachsystem

    Die Beantwortung Ihrer Frage ist Teil eines Forschungsprojekts zur Verständlichkeit von grammatischen Erklärungen. Wir bitten Sie deshalb darum, im Anschluss an die Lektüre der Antwort die Tools zur Bewertung (Fragebogen, Sternchenfunktion, Antwortoption) zu nutzen.

    In Ihrem Kommentar geht es um den Zusammenhang von Redewiedergabe, Interpunktion und Verbmodus. Meist werden im Deutschen zwei Arten der Redewiedergabe unterschieden:

    Die direkte Redewiedergabe
    Bei der direkten Wiedergabe, wird eine Aussage wortwörtlich wiedergegeben, da es bspw. auf den genauen Wortlaut ankommt. Dazu wird die sprechende Person benannt, ein Doppelpunkt gesetzt und das Gesagte wörtlich in Anführungsstrichen wiedergegeben. Die Interpunktion ist dabei durch die folgenden Regeln des Amtlichen Regelwerks festgelegt:

    „Mit dem Doppelpunkt kündigt man an, dass etwas Weiterführendes folgt. Dies betrifft wörtlich wiedergegebene Äußerungen oder Textstellen, wenn der Begleitsatz oder ein Teil von ihm vorausgeht.“ (Amtliches Regelwerk; §81)

    „Mit Anführungszeichen schließt man etwas wörtlich Wiedergegebenes ein.“ (Amtliches Regelwerk; §89)
    Ein redeeinleitendes Verb ist dabei optional:

    Beispiel

    Meine Schwester (sagt): „Das ist falsch!“


    Die indirekte Redewiedergabe
    Die indirekte Redewiedergabe unterscheidet sich von der direkten dahingehend, dass eine ursprüngliche Äußerung nicht wörtlich wiedergegeben wird. Stattdessen wird über verschiedene sprachliche Mittel deutlich gemacht, dass hier die Position eines anderen dargestellt wird, wobei der Sprecher eine Außenperspektive zur Äußerung einnimmt. Formal besteht die indirekte Rede in einem Satz mit redeeinleitendem Verb, bei dem zusätzlich der Sprecher genannt wird. An diesen Satz wird ein Nebensatz angeschlossen, der formal unterschiedlich realisiert werden kann und die Äußerung einer dritten Person wiedergibt. Da der Inhalt der Äußerung als Nebensatz wiedergegeben wird, steht in der Regel vor diesem ein Komma.
    Darüber hinaus kann der Konjunktiv verwendet werden, um die indirekte Rede deutlich zu machen. Sobald jedoch ein redeeinleitendes Verb vorliegt oder durch andere grammatische Konstruktionen deutlich wird, dass hier eine Rede wiedergegeben wird, kann auf den Konjunktiv verzichtet werden. Der Beispielsatz könnte in der indirekten Rede entsprechend lauten:

    Beispiel

    Meine Schwester schreibt, dass es falsch sei.
    Meine Schwester schreibt, dass es falsch ist.


    Häufig werden indirekte Rede und direkte Rede einander so gegenübergestellt, als gäbe es entweder nur das eine oder das andere. Im folgendem soll diesem Verständnis jedoch eine andere Sichtweise gegenübergestellt werden, nämlich die, dass indirekte Rede und direkte Rede zwei Pole eines Kontinuums darstellen, bei dem es fließende Übergänge gibt. Dieses Kontinuum basiert darauf, dass es verschiedene Mittel zum Ausdruck von Indirektheit gibt und diese miteinander kombiniert werden können, sie aber auch alleine auftreten. Die wichtigsten Indirektheitsmittel sind dabei:
    1. Redeeinleitende Verben: Es gibt verschiedene Verben, die prototypisch ausdrücken, dass es sich um eine Redewiedergabe handelt. Beispiele dafür wären: sagen, berichten, meinen, denken, etc.
    2. Nebensatz: Häufig wird in einem Nebensatz der Inhalt der Rede ausgedrückt. Auf orthographischer Ebene gilt dann zu berücksichtigen, dass ein Komma gesetzt werden muss.
    3. Konjunktiv: Der Verbmodus Konjunktiv kann zur Redewiedergabe verwendet werden.
    4. Verschiebung der Personendeixis: Die Personendeixis ist eine besondere Form von deiktischen Ausdrücken. Letztere zeichnen sich dadurch aus, dass sie auf Einheiten referieren, die in einer konkreten Sprechsituation vorhanden sind. Personendeixis meint dabei konkret jene Wörter, mit denen man in der Sprechsituation auf Personen verweist, wozu u.a. die Personalpronomen (ich, du, er, sie, es, wir, ihr, sie) gehören. Auf wen sich diese Wörter beziehen, kann nur in einer konkreten Sprechsituation ausfindig gemacht werden. Bei der Redewiedergabe verschiebt sich dabei die Verwendung dieser deiktischen Ausdrücke. Betrachten wir dazu ein Beispiel:

      Beispiel

      Peter: „Ich komme gleich.“
      Peter sagt, er kommt gleich.


      In der ersten Variante dieses Satzes wird bei der direkten Redewiedergabe das Personalpronomen ich verwendet, mit dem der Sprecher Peter auf sich selbst verweist. In der zweiten, indirekteren Variante hingegen wird das Pronomen in der dritten Person (er) verwendet, um den Bezug zu Peter weiterhin aufrecht zu erhallten.

    Betrachten wir vor diesem Hintergrund den folgenden Satz:

    Beispiel

    Peter sagt, dass er gegen 12 nach Hause komme.


    Bei diesem Satz liegen alle vier der oben erläuterten Indirektheitsmittel vor: Bei dem Verb sagen handelt es sich um ein sogenanntes redeeinleitendes Verb, das signalisiert, dass jetzt die Position von jemand anderem widergegeben wird. Der darauf folgende Nebensatz drückt dann aus, was Peter gesagt hat. Zudem steht das Verb kommen im Nebensatz im Konjunktiv, was ebenfalls das Vorliegen einer Redewiedergabe signalisiert. Außerdem wird statt des Personalpronomens in der ersten Person (ich) das Pronomen in der dritten Person (er) verwendet. Damit wäre dieser Satz eher dem Pol der indirekten Rede zuzuordnen.

    Häufig reicht für die kommunikative Absicht, eine fremde Rede wiederzugeben, sich nur eines Teils dieser Mittel zu bedienen. So könnte man bspw. auch schreiben:

    Beispiel

    Peter sagt, er kommt gegen 12 nach Hause.


    Da durch das redeeinleitende Verb sagen und die Verschiebung der Personendeixis bereits hinreichend deutlich wird, dass eine Redewiedergabe vorliegt, kann auf andere Indirektheitsmittel verzichtet werden. So ist dieser Satz weniger stark dem Pol der indirekten Redewiedergabe zuzuordnen als der vorherige.

    Zur Veranschaulichung soll nun noch ein weiterer Beispielsatz betrachtet werden:

    Beispiel

    „Ein Sprecher des Großkonzerns stritt alles ab: Man habe von den Ausschweifungen des Geschäftsführers nichts gewusst.“ (entnommen von: https://deutsch.lingolia.com/de/schr...ng/doppelpunkt )


    Der erste Satz scheint zunächst dem Aufbau einer direkten Redewiedergabe zu gleichen, da der Sprecher einer Aussage benannt wird und ein Doppelpunkt folgt. Das Verb abstreiten ist jedoch schon kein prototypisches redeeinleitendes Verb, da auf dieses in der Regel keine Form der direkten oder indirekten Rede folgt, wie der folgende Satz zeigt:

    Beispiel

    Er stritt jede Beteiligung daran ab.


    Da hier kein prototypisches redeeinleitendes Verb vorliegt, könnte der Sprachbenutzer sich in dem Satz, der den Inhalt der Redewiedergabe artikuliert, für den Konjunktiv entschieden haben, um besonders zu betonen, dass hier eine Redewiedergabe erfolgt. Da die Redewiedergabe jedoch nicht als Nebensatz formuliert wird, scheint hier auch die Möglichkeit zu bestehen, einen Doppelpunkt zu setzen.

    Betrachten wir nun das Ausgangsbeispiel:

    Beispiel

    Obwohl meine Germanistikschwester schreibt: das sei falsch.


    In diesem Beispiel findet die Redeeinleitung in einem Nebensatz statt, der mit obwohl eingeleitet wird und dessen Hauptsatz der vorherige Teilsatz ist. In ihm wird der Sprecher (meine Germanistikschwester) und ein redeeinleitendes Verb (schreiben) genannt. Die Setzung des Doppelpunkts scheint hier notwendig, da der angeschlossene Satz zwar eine indirekte Redewiedergabe ist, was durch den Konjunktiv gekennzeichnet ist, er sich aber nicht syntaktisch an den vorherigen Teilsatz anpasst, sondern wie ein selbstständiger Satz funktioniert. Würde man den zweiten Nebensatz syntaktisch anpassen, lautete dieser nämlich:

    Beispiel

    Obwohl meine Grammatikschwester schreibt, dass es falsch sei.


    Da der Satz aber in dieser Formulierung kein Nebensatz ist, wie es zu erwarten wäre, sondern Hauptsatzstellung aufweist, erscheint es hier möglich einen Doppelpunkt zu setzen, um anzuzeigen, dass der nachfolgende Satz syntaktisch selbstständig ist. Der Konjunktiv kann in diesem Fall zusätzlich gewählt werden, um die Redewiedergabe zu kennzeichnen, ist aber aufgrund des prototypischen redeeinleitenden Verbs schreiben nicht zwingend notwendig.

    Vor dem Hintergrund der hier diskutierten Aspekte wären also u. a. folgende Varianten möglich. Sie sind sortiert absteigend vom Pol der direkten Rede hin zur indirekten Rede.

    Beispiel

    Obwohl meine Germanistikschwester schreibt: „Das ist falsch.“
    Obwohl meine Germanistikschwester schreibt: das sei falsch.
    Obwohl meine Germanistikschwester schreibt, dass es falsch ist.
    Obwohl meine Germanistikschwester schreibt, dass es falsch sei.

     

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